Symbolbild - Foto: regio drei
Symbolbild: regio drei

Technik Museum Sinsheim startet Großrestaurierung der Tu 144 auf dem Dach

Das Technikmuseum in Sinsheim verpasst einem seiner spektakulärsten Exponate eine Rundumerneuerung. Die Restaurierung der Tu 144 soll bis Oktober 2026 dauern.

Das weithin sichtbare Wahrzeichen des Technik Museum Sinsheim erhält rechtzeitig zum bevorstehenden Jubiläum eine umfassende Renovierung. Quelle: TMSNHSP.
Das weithin sichtbare Wahrzeichen des Technik Museum Sinsheim erhält rechtzeitig zum bevorstehenden Jubiläum eine umfassende Renovierung. Quelle: TMSNHSP.

Sinsheim – Die Tupolev Tu 144, seit 20 Jahren weithin sichtbar auf dem Museumsdach installiert, wird zum 45 jährigen Museumsjubiläum 2026 in rund 30 Metern Höhe umfassend restauriert und neu lackiert. Möglich wird das Projekt durch den Museumsverein und eine engagierte Community, die die Entwicklung des Hauses seit Jahrzehnten prägt. Nach 25 Jahren unter freiem Himmel zeigt die Außenhaut des Überschalljets deutliche Alterungsspuren. Während Verkehrsflugzeuge im regulären Betrieb etwa alle acht Jahre neu lackiert werden, ist der Lack der Sinsheimer Tu 144 inzwischen stark verwittert, teils bis auf die grüne Grundierung. „Um die Substanz dauerhaft vor Korrosion zu schützen und das Flugzeug optisch wieder in Bestform zu bringen, starten wir nun dieses umfangreiche Restaurierungsprojekt“, sagt Michael Stiller, technischer Leiter der Technik Museen Sinsheim Speyer.

Das Gerüst wird durch das Firmenmitglied Wilhelm Layher GmbH & Co. KG bereitgestellt. Die Montage der passgenauen Konstruktion erfolgt durch das ebenfalls beteiligte Firmenmitglied Wolfgang Fuchs GmbH aus Bühlertann.
Quelle: TMSNHSP.
Das Gerüst wird durch das Firmenmitglied Wilhelm Layher GmbH & Co. KG bereitgestellt. Die Montage der passgenauen Konstruktion erfolgt durch das ebenfalls beteiligte Firmenmitglied Wolfgang Fuchs GmbH aus Bühlertann.
Quelle: TMSNHSP.

Ein zentrales Element des Restaurierungsprojekts ist die Unterstützung durch den Museumsverein. Die Technik Museen Sinsheim Speyer werden von einem gemeinnützigen Trägerverein gestützt, dessen Mitglieder seit Jahrzehnten entscheidend zur Entwicklung der Häuser beitragen – sei es durch Leihgaben, Fachwissen oder logistische Hilfe bei spektakulären Großtransporten. Auch bei der Restauruerung der Tu 144 zeigt sich diese Gemeinschaft erneut: Die Wilhelm Layher GmbH & Co. KG stellt das Spezialgerüst als Sponsor bereit, die Wolfgang Fuchs GmbH aus Bühlertann übernimmt den Aufbau der maßgeschneiderten Konstruktion. Geschäftsführer Wolfgang Fuchs engagiert sich zudem als Vizepräsident des Museumsvereins. Damit bleibt der Erhalt des Überschalljets ein Gemeinschaftswerk – ganz im Sinne des Museumsmottos: für Fans von Fans. Lange schien es unvermeidlich, die Tu 144 für eine Restaurierung mit schwerem Gerät vom Dach zu holen. Doch eine erst kürzlich entwickelte statische Lösung macht dies überflüssig: Gemeinsam mit Fachstatikern fanden die Museen einen Weg, ein spezielles Layher-Allroundgerüst direkt auf dem Hallendach zu errichten – ohne zusätzliche Abstützungen. Damit entfallen nicht nur zwei 500 Tonnen-Kräne, auch die Parkflächen vor dem Museum bleiben uneingeschränkt nutzbar. Die Dimensionen der Baustelle in luftiger Höhe sind beachtlich. Das Gerüst schmiegt sich exakt an die Konturen des Jets, verfügt über moderne Sicherungstechnik und ragt am Cockpit rund 30 Meter über den Boden. Auf etwa 2.000 Quadratmetern Fläche werden rund 500 Liter Lack und Grundierung verarbeitet. Das Werkstattteam reinigt, schleift und beschichtet die Maschine im Airless-Verfahren – parallel mit drei bis sechs Mitarbeitenden. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Tu 144 wieder im klassischen AEROFLOT-Design erstrahlen.

Das Gerüst fügt sich exakt an die Konturen des Flugzeugs an und ist mit modernen Systemen zur Absturzsicherung ausgestattet. Quelle TMSNHSP.
Das Gerüst fügt sich exakt an die Konturen des Flugzeugs an und ist mit modernen Systemen zur Absturzsicherung ausgestattet. Quelle TMSNHSP.

Die Restaurierung der Tu 144 soll bis Oktober 2026 dauern. Trotz der Arbeiten bleibt das Überschallflugzeug weitgehend begehbar, ebenso das U Boot U17. Der Zugang wurde angepasst: Statt unter der Tu 144 hindurch führt nun ein provisorischer Tunnel zum U Boot. „Uns ist wichtig, den Museumsbetrieb möglichst wenig einzuschränken. Das Museumsdach bleibt während der Bauphase barrierefrei bis zur Concorde erreichbar“, sagt Technikleiter Michael Stiller. Aktuelle Hinweise zur Begehbarkeit und zum Fortschritt veröffentlicht das Museum online.

Mit der Sanierung sichert das Technik Museum Sinsheim den langfristigen Erhalt eines seiner bedeutendsten Exponate – und ermöglicht zugleich seltene Einblicke in die aufwendige Restaurierungsarbeit eines der größten privat geführten Technikmuseen Europas. Sobald das Gerüst steht, beginnen Reinigung und Schleifen, bevor der „weiße Riese“ wieder in frischem AEROFLOT Design über der A6 erstrahlt. Dass Tu 144 und Concorde weltweit einmalig gemeinsam auf einem Dach zu sehen sind, ist dem Engagement des Museumsvereins und seiner Community zu verdanken – ganz im Sinne des Mottos: für Fans von Fans.

Verwendete Quellen: Museen Sinsheim Speyer