Was als gewöhnliche Baumaßnahme begann, entwickelt sich nun zu einer archäologischen Sensation, die selbst Experten staunen lässt. Seit Wochen laufen in Serrig die Arbeiten für den Abriss der alten und den Bau der neuen Brücke, deren Fertigstellung voraussichtlich 1,5 Jahre dauern wird. Doch nun kamen bei Erdarbeiten außerhalb des eigentlichen Bauprojekts erstaunliche Funde ans Tageslicht.

Serrig (red) Bei Begradigungsarbeiten Anfang März erreichte in Serrig an der Saar Historisches die Oberfläche. Um neugierige Besucher und mögliche Vandalismusschäden zu vermeiden, wurde bislang Stillschweigen bewahrt. Erst jetzt wurde bestätigt, dass bei sogenannten Lesefunden im lockeren Erdreich mehrere Louis d’or Münzen entdeckt wurden – Goldstücke, die zwischen 1640 und 1793 in Frankreich geprägt wurden.
Doch das war erst der Anfang.
Ziegel, Keramik – und dann der große Fund
Bei weiteren Sondierungen stießen man bei den Arbeiten auf Ziegelbruchstücke und Keramikscherben, die auf darunterliegendes Mauerwerk hindeuten. Die Überraschung folgte kurz darauf: Eine römische Schatulle wurde geborgen – mit gut erhaltenen Holzresten, Bronzebeschlägen und Scharnieren.
Der Inhalt lässt Historiker aufhorchen:
- zwei Kolbenarmreife,
- mehrere Münzen, darunter eine mit der Darstellung einer Frau, die einen Eichensetzling pflanzt – vermutlich die sagenumwobene „Eichenfrau“, eine in der Region kaum belegte römische Symbolfigur,
- sowie Münzen mit dem Motiv des Bundesadlers. Es zeigt einen stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen – eine Darstellung, die auffallende Ähnlichkeit mit dem heutigen Bundesadler aufweist. Einige Forscher spekulieren bereits über eine „proto heraldische Darstellung“, die möglicherweise späteren Symbolen als Vorlage diente. Andere mahnen zur Vorsicht und verweisen auf die lange Tradition des Adlers als Machtzeichen im Römischen Reich.
- und als besonders außergewöhnlicher Fund: eine römische Fibula (Spange) , verziert mit einer fein eingravierten Weinrebe und der Inschrift „SERVIACUM“.
Die Bezeichnung Serviacum wird von ersten Experten vorsichtig als möglicher Hinweis auf eine römische Siedlungs- oder Kultstätte im Bereich des heutigen Serrig interpretiert. Die Weinrebe wiederum könnte auf lokale Weinbaukulte oder römische Festtraditionen hindeuten.

Römisches Leben in Serrig?
Die Nähe des Fundortes zum Widdetshäuschen – wo bereits Spuren eines römischen Gräberfeldes vermutet werden – und zum Kastler Plateau mit seiner bekannten römischen Vergangenheit scheint die These zu stützen, dass in Serrig einst reger römischer Alltag herrschte.
Bevor jedoch weitere Schlüsse gezogen werden, sollen zunächst zerstörungsfreie Prospektionsmethoden wie Luftbildauswertung, Geophysik und LiDAR zum Einsatz kommen. Erst danach könnten invasive Grabungen in Betracht gezogen werden.
Und jetzt?
Die Gemeinde kündigte an, die Bevölkerung „zeitnah“ zu informieren – spätestens dann wenn die vollständige Bewertung der Funde vorliegt.
