Stadtarchiv Trier. Foto: regiodrei.de

Wissenschaftliche Bibliothek Trier präsentiert in der Reihe „Objekt des Monats“ weitere Highlights

In der Reihe „Objekt des Monats“ präsentiert die Wissenschaftliche Bibliothek weitere Highlights der aktuellen Sonderausstellung „Schlechte Herrschaft – Krieg!“ in der Schatzkammer an der Weberbach. Sie thematisiert die historische Verbindung von (schlechter) Herrschaft und Tyrannei, Macht, Gewalt und Krieg.

In einer lateinischen Ausgabe der Handschrift von Guillaume Budé aus der Mitte des 16. Jahrhundert erinnert das Porträt von Flavius Vegetius Renatus an einen Landsknecht. Bildquelle: Stadtbibliothek/Anja Runkel
In einer lateinischen Ausgabe der Handschrift von Guillaume Budé aus der Mitte des 16. Jahrhundert erinnert das Porträt von Flavius Vegetius Renatus an einen Landsknecht. Bildquelle: Stadtbibliothek/Anja Runkel

Trier. Im Mittelpunkt steht unter anderem ein spätrömischer Schriftsteller, der in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Flavius Vegetius Renatus war ein Longseller der Kriegskunst, und sein Werk wird daher mehrfach aufgegriffen. Neben der  Mulomedicina („Maultier-“ beziehungsweise „Pferdeheilkunde“) ist vor allem seine Schrift „Über das gesamte Kriegswesen“ zu erwähnen. Beide wurden seit dem vierten Jahrhundert, als Vegetius lebte, bis in die Neuzeit überliefert – erst in Handschriften, später in gedruckten Ausgaben. Die ältesten bekannten vollständigen, handschriftlichen Versionen stammen aus der Karolingerzeit, relativ viele sind aus dem Spätmittelalter erhalten. Dazu gehört auch eine Handschrift aus dem Bestand der Wissenschaftlichen Bibliothek in Trier aus dem 15. Jahrhundert. Sie beinhaltet neben Cicero, Sallust, Hieronymus und anderen auch die vier Bücher der „Epitoma“ des Vegetius. Etwa aus der gleichen Zeit wie die ursprünglich aus der Bibliothek von St. Matthias stammende Handschrift gibt es eine – im Gegensatz zur reinen Texthandschrift – reich bebilderte Handschrift aus der Badischen Landesbibliothek. Aus ihr oder vergleichbaren Bilderhandschriften haben verschiedene Illustrationen Eingang in den Druck gefunden. 

Sie tauchen mehr oder weniger eins zu eins in  Drucken des 15. und folgender Jahrhunderte auf, so in der deutschen Übersetzung Ludwig Hohenwangs (um 1475) oder in den lateinischen Ausgaben von Guillaume Budé (Mitte des 16. Jahrhunderts) oder – mit anderem Einschlag – in der lateinischen kommentierten Fassung von Godescalcus Stewechius (Antwerpen, 1585). Die Pariser Ausgaben von Budé bieten ein Konterfei des Vegetius, das mehr an einen zeitgenössischen „Lansquenet“ (französisch für Landsknecht) denn einen römischen Militär erinnert. Diese Darstellung ist bemerkenswert und scheint doch nicht ungewöhnlich: Auch weitere Illustrationen zu „Epitoma“ zeigen Figuren in Wams und damaliger Rüstung. Bemerkenswert ist insgesamt der Werkkreis, der sich um die Schrift von Vegetius und den Kanon weiterer (spät-)antiker Militärschriftsteller („Scriptores rei militaris“) in Wort und Bild entfaltet und den die Sonderausstellung in der Schatzkammer aufgreift und erläutert.

Verwendete Quellen: Stadt Trier